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Sachsen lohnt sich wieder

Von Johannes P. Himmrich

 

Der neue Fahrplan der Bahn rückt Sachsen, insbesondere die Sächsische Schweiz, wieder in greifbare Nähe. Zwar kann man die Zugfahrt ausgiebig genießen, sie dauert aus Süddeutschland oder aus dem Rheinland mehr als stattliche sechs Stunden, aber ab Frankfurt gelangt der Reisende ohne Umzusteigen nun direkt nach Dresden oder gleich nach Pirna, dem Tor zur Sächsischen Schweiz. Weniger zeitaufwendig ist selbstverständlich die direkte Anreise aus Berlin.

 

Nach dem Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002, das einen der schlimmsten Angriffe auf die Menschen und die Kultur in der Region mit sich brachte, ist dieser Landesteil in nur 16 Monaten wieder aus den Fluten „auferstanden“. Alle, die am Wiederaufbau beteiligt waren, können stolz auf ihre Leistungen sein, und es gibt keinen Grund mehr, einen Urlaub in Sachsen zu verschieben.

 

Während eines kurzen vorweihnachtlichen Trips rund um Pirna verwandelte ein unverhoffter Schneefall die Schluchten und Tafelberge, die Schlösser und historischen Ortschaften in ein Wintermärchen. Romantik pur, wenn man nicht gerade in einem schier unauflöslichen Stau auf der Autobahn steht. Apropos Autobahn: zur Zeit ist die deutsche Bahn im Vorteil, die insbesondere den nördlichen Teil der Sächsischen Schweiz gut erschlossen hat. Ein Erlebnis besonderer Art ist in der warmen Jahreszeit ein Raddampferfahrt auf der Elbe.

 

Pirna hat mit seiner Marienkirche ein architektonisches Kleinod, mit dem Luthergegner und Ablassprediger Johann Tetzel einen weltberühmten Sohn und mit dem Venezianer Canaletto einen Maler, dessen Bilder von der Schönheit der Stadt in verschiedenen Museen der Welt künden. Im Südwesten von Pirna, auch mit der Bahn zu erreichen, liegt Schloss Weesenstein (http://www.schloss-weesenstein.de/), das wohl einzige Gebäude in Deutschland, in dem der Keller unter dem Dach liegt. Dies erklärt sich durch die Baugeschichte, die vor rund 1000 Jahren auf dem Felssporn "Weißer Stein" begann. In den folgenden Jahrhunderten wurde am Fels hinab ins Tal gebaut, bis es König Johann, der sächsische Dichterfürst und Danteübersetzer, im 19. Jahrhundert zu einem seiner Lieblingsschlösser auserkor. Wie durch ein Wunder hat der Adelssitz alle Kriege heil überstanden und strahlt nach kostspieliger Renovierung wieder in altem Glanz. Eine besondere Attraktion sind die Mittelalterfestspiele zu Pfingsten, eine gute Gelegenheit, das schlosseigene Bier zu verkosten.

 

Eine historisch-kulinarische Attraktion bietet die Festung Königstein (http://www.festung-koenigstein.de/). Von keinem Gegner je bezwungen, kann man heute mit einem 60-Personen-Aufzug direkt aufs Plateau der Wehranlage fahren. Nach einer Besichtigung erreicht man mit ihm die in den Kalkstein hingeschlagenen Kasematten, wo der Gast je nach Vorliebe Tafelfreuden aus einem der letzten vier Jahrhunderte genießen kann. Unterhalten wird er dabei von geschichtlich verbürgten Persönlichkeiten, dargestellt von Schauspielern, und die Kellnerinnen servieren das mehrgängige Menü in historischer Tracht. Weiterer Informationen über das genaue Programm, Vorbestellung und Preise bieten die Hotline 035021.64691 sowie die Internetseite www.festung.com. Wer dann des Feierns müde und im nahen Parkhotel Bad Schandau ein Zimmer gebucht hat, kann sich standesgemäß erholen, im Roten Saal der einstigen Königsvilla frühstücken und dann über die prächtige Terrasse zur Elbe schreiten, dort einen Raddampfer besteigen und dann von Deck aus den Nationalpark Sächsische Schweiz genießen.