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Provence-Alpes-Côte d'Azur: Weihnachtstraditionen des Südens

Die Weihnachtszeit in der Provence ist einmalig. Ein tief verwurzeltes Brauchtum wird im familiären Leben wie in alten Zeiten gelebt. Traditionen haben sich wie nirgendwo anders erhalten. Die heilige Zeit fängt am 4. Dezember mit Sankt Barbara an und endet am Tag der Heiligen Drei Könige am 6. Januar. In dieser Zeit wartet die provenzalische Kultur mit Krippen, Santons, Mitternachtsmessen auf provenzalisch, Gesängen und Hirtenspielen auf.

 

Vorbereitungen und Advent

Am Tag der heiligen Barbara werden in drei kleinen Schalen Weizenkörner auf getränkte Watte gesät und an einem warmen Ort aufbewahrt. Diese dienen am Weihnachtsabend mit einem roten Band als Tischdekoration und sind ein Symbol für die Ernte und Prosperität des nächsten Jahres. Die drei Schalen stehen für die Dreifaltigkeit und je höher der Weizen wächst, desto besser die nächste Ernte ausfällt.

Auch wenn die Weihnachtsmärkte in der Provence weniger zur Tradition gehören, mittlerweile gehören auch sie zu einem Anlass, der von vielen ungeduldig erwartet wird. Im ganzen Monat Dezember werden in provenzalischen Städten und Dörfern Marktstände und Hütten aufgestellt, in welchen man dann auch die ganzen Accessoires für den Weihnachtsabend und die kommende Zeit findet. Wie die typischen Krippenfiguren der Provence die man besser unter dem Begriff Santons kennt.

Wenn auch die Krippe selbst von Franz von Assisi erfunden wurde, wurzelt das Krippenbrauchtum in der Provence in der französischen Revolution. 1792 wurde nämlich unter der revolutionären Regierung jede religiöse Veranstaltung verboten. Die Kirchen blieben an Weihnachten geschlossen und wenn man weiß wie die Provenzalen an diesem Fest und den Traditionen hängen, so versteht man, dass sie den Stall von Bethlehem eigens anfertigten und ihn mit selbstgebauten Figuren ausstatteten. Allerdings ist die provenzalische Krippe eine Darstellung des ganzen Dorfes. Die heilige Familie ist biblisch gekleidet, jedoch die Gaben bringenden Dorfbewohner - vor allem Vertreter des traditionellen Handwerks wie der Bäcker, der Müller, der Schäfer, der Weinbauer oder die Fischersfrau - sind in der jeweils ortstypischen Bekleidung der Region.

Aus der Notlösung wurde eine Tradition und schon 1803 fand der erste Santons-Markt in Marseille statt. Zum Schutz der echten "Santons" der Provence wurden Normen entwickelt und in einer Qualitäts-Charta sind auch die Kriterien für einen echten und würdigen Santons festgehalten.

 

"Cacho fio" oder Feuer ans Holz legen...

Was wäre jedoch Weihnachten in der Provence ohne das "Gros Souper" vor der Mitternachtsmesse, wofür sich die ganze Familie in der Regel im Hause der Grosseltern versammelt. Dies beginnt mit dem traditionellen Anzünden des Holzscheits, auf provenzalisch "cacho fio". Das Holz muss von einem Obstbaum stammen und wird von einem Verwandten mitgebracht. Bevor man das Scheit anzündet, tragen es der Älteste und der Jüngste der Familie dreimal um den Tisch, besprengen es dreimal mit Wein und zünden es an. Damit wird das Kommen des Christkindes und die Wintersonnenwende angekündigt.

Das anschließende festliche Abendessen oder "Gros Souper" besteht aus sieben Gängen. Diese symbolisieren die sieben Sakramente. Die verschiedenen Gänge können je nach Region variieren, aber sind meistens Artischocken, Schnecken, Stockfisch, Meeräsche, Sellerie, Kichererbsen und Käse. Im bergigen Hinterland wird der Fisch durch eine Art Lasagne ersetzt. Das fleischlose Menü wird von den dreizehn Desserts (les treizes desserts) gefolgt: Trockenfrüchte, Nüsse, frisches Obst, weißer und schwarzer Nougat, Calissons - eine Spezialität der Provence, Geléefrüchte und die "Pompe à l'huile" eine Art Hefekuchen.

Interessant ist auch die Tischgestaltung. Auf einer Schicht aus drei weißen Tischtüchern liegen die drei Schälchen mit Barbara-Weizen und drei Kerzenständer mit weißen Kerzen, um die Dreifaltigkeit zu symbolisieren. Dreizehn Brötchen die das Abendessen begleiten, stehen, wie die dreizehn Desserts, für die 12 Apostel und Christus.

Die Mitternachtsmesse, in der das Lamm eine wichtige Rolle spielt, ist ohne Zweifel eines der bekanntesten Brauchtümer rund um die Weihnacht in der Provence. Man darf nicht vergessen, dass die Wintersonnenwende auch die Zeit des Lammes ist und wenn an der Mitternachtsmesse auch ein Lamm teilnimmt, ist dies, in einer Bevölkerung die hauptsächlich von der Schafzucht lebte, nicht verwunderlich. In der Hirtenzeremonie in Les Beaux nehmen Schäfer und Schäferinnen an der Prozession teil. Der Priester nimmt das jüngstgeborene Lamm vor dem Altar in seine Arme, erzählt von seinem weiten Weg, den es mit der Herde zurücklegte und weiht es dann. Die so genannte "Pastrage" stammt aus den heidnischen Bräuchen für die Fruchtbarkeit und steht nunmehr symbolisch für die Erneuerung der Natur.

Während der Messe werden Lieder auf Provenzalisch gesungen, die "Noëls". In denen einheimische Dichter ihre religiöse Frömmigkeit und die lokalen Traditionen gleichzeitig wiedergaben. Sie werden in Dialogform gesungen und lehnen sich stark an das Krippenspiel an. Die bekanntesten sind von Nicolas Saboly (1614 - 1675).

Aber nicht nur weihnachtlicher Gesang gehört zur Mitternachtsmesse, auch die "Pastorale" oder das Hirtenspiel nehmen traditionell einen wichtigen Platz ein. Als echte Mysterienspiele wurden sie als Teil der Messe in der Kirche selbst gespielt. Später jedoch aus der Kirche verbannt. Die Pastorale haben meist die Geschichte der heiligen Familie und die Anbetung des Kindes zum Thema und sind meist in Provenzalisch gesprochen.

Die Weihnachtszeit wird mit den Heiligen Drei Königen abgeschlossen. Die Krippenfiguren werden erst am 6. Januar in die Krippe gestellt. Viele Franzosen können es allerdings nicht erwarten und stellen sie bereits früher hinein, rücken sie dafür aber jeden Tag ein bisschen näher zur Krippe.

An diesem Tag darf natürlich auch der Königskuchen oder die "Galette des Rois" nicht fehlen. In diesem ist eine Bohne oder manchmal auch ein Porzellankönig versteckt. Wer diesen in seinem Stück Kuchen hat, ist der König des Tages und muss einen neuen Kuchen offerieren. Dies erlaubt wiederum, die heilige Zeit um ein paar Tage zu verlängern. Manchmal sogar den ganzen Januar. Denn so eine schöne Zeit möchte man nicht missen!