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Angeln - Das Land der großen Fische
Gäbe es einen europäischen Wettbewerb um den Titel des „besten Urlaubsziels für Angler“ läge Irland gewiss an erster Stelle. Welches andere Land könnte auf so kleiner Fläche derart viele verschiedene Angelvergnügen bieten? Irland verfügt über mehr als 14.000 Kilometer Flüsse und Bäche – die großen Seen im Landesinneren nicht mitgezählt. Höchstwahrscheinlich hat an Hunderten von Kilometern noch nie jemand geangelt – es gibt hier also noch sehr viel Platz zum entdecken!
Dank seiner einzigartigen geographischen Lage treffen Angler in Irlands Binnengewässern auf Fische, die sie dort nicht gemeinsam vermutet würden: Warmwasserspezies wie die Karpfen, aber auch eher nordatlantische oder arktisch orientierte Arten wie der Atlantiklachs oder der Char.
Ähnlich ist es auf hoher See: Hier können Sportfischer einen Blauhai oder einen Wolfsbarsch am Haken haben, zwei Fischarten, die südliche Gewässer bevorzugen, ebenso aber auch einen Dorsch, der das kalte Wasser schätzt.
Das Geheimnis dieser überraschenden Vielfalt ist der Golfstrom. Er umspült Irland, dadurch gibt es auf See warme und kalte Regionen. Der in der Karibik aufgeheizte Meeresstrom prägt aber auch das milde Klima auf der Insel – deshalb wachsen überall sogar Palmen. Und vom Klima wie von regelmäßigen Regenfällen sind auch die Inselgewässer geprägt: Sie sind meist wärmer als man es auf dieser geografischen Höhe vermuten würde.
Irland kann somit allen Arten des Sportangelns bieten: das Hochseeangeln, das „Game Angling“ auf Lachs und Forelle, und das „Coarse Angling“ auf Hechte, Aale und Friedfische. Viel Konkurrenz von einheimischen Anglern haben die Touristen übrigens nicht. Die Iren konzentrieren sich in der Regel auf das Game Angling.
Die Game Angling Season beginnt bereits im Jänner, weil bereits zu dieser Zeit die ersten Lachse aus dem Meer in die Flüsse in Westen steigen. Generell ist aber auch der Sommer eine gute Zeit für die Lachsangler. Jeder Fluss hat allerdings seine spezifischen Lachs-Zeiten, die regionalen Touristikbüros kennen die Zeiten selbstverständlich. Bei ihnen – und bei den Spezialveranstaltern für Angelreisen – kann man auch die speziellen Vorschriften und Regelungen für die einzelnen Flüsse erfahren. Neben dem Lachs schätzen die Game Anglers vor allem die Seeforelle und die Bachforelle (brown trout), allesamt zur Spezies der Salmoniden gehörig.
Die irischen Coarse Angler, die auf alles gehen, was nicht zu den Salmoniden gehört, werfen ihre Fische meist zurück ins Wasser, denn Rotaugen, Schleien und Hechte galten bislang als nicht sonderlich schmackhaft. Erst seit die Touristen sich gerne an frisch gefangenen Hechten erfreuen, kommt bisweilen auch bei den Iren ein Hecht (pike) in den Kochtopf. Seither gelten auch für Hechte Entnahme-Limits. Viele Coarse Angler verbinden ihre feuchte Pirsch mit einem Hausboot-Urlaub auf dem Shannon oder Erne.
Meeresangler betreiben ihr Hobby entweder von Klippen oder vom Boot aus. Selbst von Land aus kann man mit Anglerglück kapitale Burschen einholen, etwa einen Katzenhai. Bei Klippenangeln sollten sich Urlauber aber an die ausgeschilderten Stellen halten, da diese sicher sind und keine Gefahr besteht, von einer massiven Welle ins Meer gespült zu werden.
Herbergen für Fischzüge
Die Iren schätzen das Angeln sehr, weshalb auch Besucher mit Rute und Haken überall gern gesehene Gäste sind.
Angler sind in Irland überall willkommene Gäste, im Hotel, im B&B oder im Farmhouse. Und überall wird der angelnde Urlauber Gleichgesinnte zum Fachsimpeln treffen, wenn nicht unter seinen Wirtsleuten, so spätestens im local pub.
Es gibt auch eine Reihe von Hotels, die sich auf diese Klientel spezialisiert haben. Einige davon haben sich in der kleinen Broschüre „Ausgewählte Unterkünfte für Angler in Irland“ zusammengeschlossen. Die Palette reicht vom luxuriösen Schlosshotel bis zur einfacheren Unterkunft in einem Country House & Angling Centre.
Jedes der Häuser hat Zugang zu vorzüglichen Fischgründen, einige davon können ihren Gästen sogar private Gewässer bieten. Bei manchen ist das Angeln auf das Fliegenfischen beschränkt, andere offerieren alle Angelarten. Die Great Fishing Houses of Ireland, so der Name der Vereinigung, haben Aufbewahrungsräume für Angler, Kühlräume für die Fänge, Räucherkammern und für die Angelkleidung auch Trockenräume.
Der Lachs der Weisheit
Irland ist ein faszinierendes Angelrevier, insbesondere für Lachsangler. Aber es muss fairerweise festgestellt werden, dass der beste Lachs leider schon weg ist... Dies war der im River Boyne heimische „Salmon of Knowledge“. Wer diesen Lachs des Wissens fängt und etwas von ihm verspeist, hat alle Kenntnisse der Welt in sich vereint.
Dem weisen Finnéigreas gelang eines Tages der große Fang. Er gab ihn dem jungen Fionn mit dem Auftrag, den Fisch zu braten, aber nichts davon zu essen. Der Häuptlingssohn, der bei dem Lehrmeister die Poesie erlernen sollte, hielt sich natürlich an den Auftrag.
Als der Lachs gebraten war, fiel dem Jungen eine kleine Unebenheit auf der silbrigen Haut des Fisches auf. Er brach sie ab, um sie wegzuwerfen. Weil der Hautfetzen ihm den Daumen verbrannte, steckte er den Finger in seinen Mund.
Als Finnéigeas in sein Haus trat, sah er in den Augen des Kindes, dass er es nichts mehr lehren konnte. Er schickte den Sohn weg, das Werk seines toten Vaters fortzusetzen. Und wann immer Fionn ab diesem Zeitpunkt ein Problem hatte, steckte er den Daumen in den Mund und fand eine Lösung.
Also, kein Lachs des Wissens mehr. Doch es soll da noch irgendwo in Irland den Salmon of Wealth, den Lachs des Reichtums, geben, aber garantieren können wir das nicht...

