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Dublin - Hauptstadt und Grafschaft
Dublin ist nicht nur die Hauptstadt der Republik Irland, es ist auch Namenspate einer weniger bekannten Grafschaft, die sich naturgemäß gleich an die Stadtgrenzen anschließt. Die touristische Region Dublin umfasst Stadt und County gleichermaßen. Das Umland tut sich allerdings etwas schwer im Vergleich mit der Metropole, die in Zeiten britischer Herrschaft wegen ihrer baulichen Pracht und Eleganz nach London als die „zweite Stadt“ des damaligen Weltreichs galt.
Vieles ist davon heute nach wie vor beeindruckend, etwa die alte Universität Trinity College, wo das „schönste Buch der Welt“, das Book of Kells, und die alte Bibliothek täglich Tausende von Besuchern anziehen. Die St. Patrick’s Cathedral, die Christ Church Cathedral, die georgianischen Häuser am Merrion Square und die Nationalmuseen in der City gehören in dieselbe Kategorie.
Ebenso imposant ist, wie sich diese Großstadt aus den ärmlichen Zeiten mit Hilfe der Europäischen Union zu einer boomenden Metropole gewandelt hat. Besonders deutlich wird dies in der quirligen Fußgängerzone Grafton Street und im benachbarten, einst zum Abriss vorgesehenen Stadtviertel Temple Bar. Das Quartier gilt mit seinen Bistros und Bars seit den neunziger Jahren weit über Irland hinaus als In-Viertel. Der nördlich des Flusses Liffey gelegene einstige Prachtboulevard O’Connell Street zeigt inzwischen auch Erfolge des Revitalisierungsprogramms.
Keine europäische Stadt dieser Größe (über 1 Million Einwohner) hat eine derartige literarische Dichte, nirgendwo lebten so viele Literatur-Nobelpreisträger. Das macht nicht nur das Writers Museum deutlich, sondern auch die diversen Führungen durch Dublin auf den Spuren der Schriftsteller. Aber auch in den Randbezirken der Innenstadt erweist sich Dublin als kulturelles Zentrum der Republik, etwa mit dem Kilmainham Hospital aus dem 17. Jahrhundert, in dem ein Museum für moderne Kunst entstand.
Die meistbesuchte Sehenswürdigkeit ist allerdings – im Gegensatz zu den genannten Museen – der Phoenix Park, einer der größten Stadtgärten der Welt, in dem auch der Zoo untergebracht ist. Ähnlich hoch sind die Besucherzahlen im attraktiven Firmenmuseum der Guinness Brauerei mit einem Ausschank hoch über den Dächern der Stadt.
Die meisten Attraktionen in der Grafschaft Dublin liegen an der Küste. Viele sind mit der Dart-Schnellbahn zu erreichen, etwa der Fährhafen von Dun Laoghaire. Dessen historischer Martello-Turm war ein Schauplatz des Ulysses-Romans, folgerichtig ist in dem Türmchen nun ein kleines James Joyce-Museum untergebracht. Auf der anderen Seite der Dublin-Bucht ragt die Halbinsel Howth in die Irische See, ein beliebtes Ausflugsziel der Dubliner.
Dublin - Eine Metropole voller Überraschungen
Allerdings ist Dublin mittlerweile kein Geheimtipp mehr. Irlands Hauptstadt befindet sich hinsichtlich der Besucherzahlen bereits mit London, Paris, Rom und Prag in einer Liga. Zu verdanken ist das ihrer reichen, bis in die Wikingerzeit zurückreichende Geschichte, ihren architektonischen Schätzen, den Museen und Bibliotheken, aber auch ihrer lebendigen Gegenwart. Davon zeugen eine aufgeweckte Musikszene, eine in Europa einzigartige Pub-Landschaft, attraktive Einkaufsstraßen und nicht zuletzt die freundlichen Bewohner der Metropole.
Neben den weltberühmten Sehenswürdigkeiten wie dem Book of Kells im Trinity College, dem keltischen Gold im Nationalmuseum oder dem Martello Tower in Dun Laoghaire, den James Joyce unsterblich machte, gibt es aber noch ein Dublin der weniger berühmten Attraktionen. Einige sind hier vorgestellt, nebst verschiedenen Touren, die eine klassische Stadtrundfahrt ergänzen.
Makaber, verrockt oder wässrig unterwegs
Der Literary Pub Crawl, vor einigen Jahren von jungen Schauspielern erfunden, machte in den Reiseteilen der Magazine weltweit Schlagzeilen. Die Akteure pilgern mit ihren Gästen zu einigen Pubs mit literarischen Verbindungen und deklamieren unterwegs an geeigneten Stellen Textpassagen aus den Werken irischer Poeten. Die literarische Kneipentour fand auf dem Kontinent zahlreiche Nachahmer und in Dublin regte sie eine Reihe weiterer neuartiger Stadttouren an, etwa die Tour Zozismus Ghostly Experience, die unter der Leitung des blinden alten Mystikers und Geschichtenerzählers Zozismus zu Fuß durch das mittelalterliche Dublin führt. Stätten mythischer Ereignisse und kruder Mordtaten stehen auf der Route. Hin und wieder tauchen ungewöhnliche Charaktere aus Dublins Vergangenheit auf.
Auch beim Walk Macabre geht es um einige dunkle Seiten der Stadt, gerade bei einigen ihrer renommiertesten Quartiere am Merrion Square und am Stephen’s Green. Dazu deklamieren die begleitenden Schauspieler unter anderem Oscar Wilde und Bram Stoker, den irischen Erfinder des „Dracula“.
Weniger spirituell geht es naturgemäß bei der Dublin Rock n’ Roll Tour zu. Die Teilnehmer lernen die Clubs kennen, in denen U2 oder die Cranberries ihre ersten Gigs hatten, wo Sinead O’Connor als Kellnerin arbeitete und wo Bob Geldof einen seiner größten Hits schrieb.
Für geschichtlich interessierte Dublin-Besucher gibt es die 1916 Historical Walking Tour, die den Besucher zu den Orten des tragisch verlaufenen Osteraufstands gegen die britischen Besatzungstruppen bringt. Die beiden Guides der Tour haben ein viel beachtetes Buch über die Rebellion geschrieben.
Ganz anderer Art ist die Viking Splash Tour, bei der die Teilnehmer in einem umgebauten Amphibienwagen Platz nehmen, der einst für militärische Zwecke gebaut worden war. Nachdem das hochbeinige Vehikel einige der Sehenswürdigkeiten auf Rädern passiert hat, rollt es im historischen Grand Canal Basin in die Fluten. Der zweite Teil der Besichtigungen findet dann vom Wasser statt.
Abseits der großen Attraktionen
Eine Wind- und Wassermühle, eine Modelleisenbahn, die letzte Rose des Sommers in zierlicher viktorianischer Architektur und ein Wappenmuseum – all das ist Dublin und nur wenigen Besuchern bekannt. Die vier Sehenswürdigkeiten sind zwar in dem Büchlein „Dublin’s Top Visitor Attractions“ verzeichnet, aber sie stehen im Schatten von St. Patrick Cathedral, Guinness Storehouse & Co.
Der Museumskomplex Skerries Watermill and Windmills sind Zeugnisse der Industriegeschichte in Irland. Die restaurierte Anlage mit mehreren funktionstüchtigen Wind- und Wassermühlen verarbeitete noch in den 1930er Jahren Getreide zu Mehl. Die angeschlossene Bäckerei arbeitete noch bis in die 1980er Jahre. Die Arbeitsstätte geht zurück bis ins 16. Jahrhundert, als Mönche die Mühlen bauten und betrieben. Die Bäckerei kam 1840 hinzu.
Die Fry Model Railway ist nach ihrem Erbauer Cyril Fry benannt. Der Eisenbahn-Ingenieur hat in den 1920er und 30er Jahren den Großteil seiner Modelle mit penibler Detailtreue von Hand gebaut. Die Anlage, beheimatet in einem Bau im Park von Malahide Castle, ist der irischen Eisenbahngeschichte von ihren Anfängen bis heute gewidmet.
Die durch eine Ballade berühmt gewordene „Last Rose of Summer“ gedeiht im Glashaus der National Botanical Gardens. Aber nicht nur die seltenen Pflanzen, sondern auch die filigrane Architektur der 1843-69 entstandenen Gewächshäuser wäre einen Besuch wert. Die Dubliner nutzen den prächtigen Park zwar häufig. Touristen sind hier hingegen eher selten anzutreffen.
Dass die traditionsbewussten Inselbewohner mit ihren Steuergeldern einen Chief Herald of Ireland finanzieren, ist nicht ungewöhnlich. Aber dass der oberste Wappenbeamte der Republik ein Heraldic Museum unterhält, wissen vermutlich nicht einmal alle Einheimischen. Dabei heißt es in der Broschüre mit den Top Attractions, wenn auch klein und fast versteckt, dieses Wappenmuseum sei weltweit das einzige seiner Art.
Die umfassende Broschüre „Dublin’s Top Visitor Attractions“ kann um 2 Euro bei den Filialen von Dublin Tourism erstanden werden.
Der Tag für Dublins Odysseus
Dublin zelebriert zwei Tage lang den St. Patrick’s Day und den Bloomsday, zu denen Besucher von weither kommen. Letzterer ist zwar kein offizieller Feiertag, wird aber von den James Joyce-Lesern geradezu enthusiastisch begangen.
Benannt ist der Tag nach Leopold Bloom, einer der drei Hauptfiguren des Romans „Ulysses“. Sie sind in dem Buch am 16. Juni 1904 in Dublin unterwegs. Daraus bezieht der Roman, der im traditionellen Sinn keine Handlung hat, seine Szenen, Assoziationen und Gedanken. Für viele Literaturkenner ist diese Umsetzung der Odysseussage eines der wichtigsten, wenn nicht sogar das bedeutendste Werk der zeitgenössischen Literatur.
Joyceans, wie sich die Joyce-Anhänger nennen, feiern das Ereignis alljährlich eine Woche lang mit Lesungen und anderen literarischen Events. Der Höhepunkt ist der 16. Juni, zu dem sich viele Ulysses-Fans kleiden, wie es Anfang des 20. Jahrhunderts Mode war. Sie pilgern zu den Stätten, an denen „Ulysses“ spielt, und überall gibt es mehr oder minder romanhafte Veranstaltungen.

