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Reizvolle Reiseziele auf den kleinen Eilanden
Die Frage, aus wie vielen Inseln Irland besteht, lässt sich nicht exakt beantworten, denn an so manchem Felsen scheiden sich die Geister: Schon Insel oder noch Klippe? Aber mit der Antwort „zwanzig“ liegt man in etwa richtig, denn um die „grüne Insel“ gruppieren sich 19 kleinere Eilande und Inselgruppen.
Die meisten liegen vor der Westküste. Einige sind ganz bequem über eine Brücke zu erreichen: Great Island in der Bucht von Cork, Achill Island und Valentia. Die Bewohner von Dursey nutzen eine Seilbahn, die sich zum Festland spannt. Andere Inseln sind per Boot erreichbar.
Die meisten Inseln sind unbewohnt, obwohl alle Landflecken rund um die Mutterinsel irgendwann einmal besiedelt waren. Die meisten Inseln liegen nicht mehr als acht Kilometer vor der Küste. Deswegen sind viele beliebte Ausflugsziele.
Auf einigen Inseln gibt es kleine Hotels oder Bed & Breakfast-Pensionen, auf anderen muss man sich gastfreundliche Insulaner suchen, um auf deren Couch zu nächtigen. Wir stellen vier Inseln vor, die ein zumindest kleines Angebot an Unterkünften haben.
Cape Clear
Der südlichste bewohnte Teil Irlands liegt acht Kilometer vor der Südwestspitze der Mutterinsel und ist eine Attraktion für Vogelfreunde. Deshalb hat die Universität Bristol auch auf Cape Clear eine ornithologische Station errichtet. Die Besucher kommen aber auch wegen der Wale und Delfine vor der Küste, dem Blick auf den Leuchtturm von Fastnet Rock, und der religiösen Geschichte: Auf dem knapp fünf Kilometer langen Eiland wurde anno 352 St. Ciarán geboren, einer der frühen Heiligen des Landes. Auch die kleine Kirche aus dem 12. Jahrhundert trägt seinen Namen.
Eher weltlicher Herkunft ist der „falsche Mann“, ein aufrecht stehender Stein, der einst wie eine Reihe inzwischen verschwundener „Nachbarn“ eine rote Soldatenjacke trug. Die „Redcoats“ sollten 1798 den feindlichen Franzosen zeigen, dass Cape Clear von Soldaten bewacht ist.
Cape Clear war das letzte Land, das die Titanic-Passagiere sahen, und ist der Vorposten Europas für die Schiffe, die aus den USA eintreffen. Deshalb wurden eilige Meldungen aus Amerika den Fischern von Cape Clear übergeben. Diese brachten sie zur Mutterinsel, von wo sie nach London gekabelt wurden.
Clare Island
Clare Island ist mit seinem 457 Meter hohen Knockmore schon von weitem erkennbar. Die fruchtbare Insel liegt fast sechs Kilometer vor der Grafschaft Mayo im Westen. Über die Clew Bay hinweg öffnet sich der Blick auf das Festland und Irlands heiligen Berg, den Croagh Patrick. Wegen der unterschiedlichen Landschaftsformen gilt Clare als „Irland in Miniatur“, wegen der Vielzahl an Gesteinsarten kommen auch viele Wissenschaftler.
Grabungen zufolge war die Insel schon vor mehr als 5.000 Jahren besiedelt. Die populärste Bewohnerin war Grace O’Malley, die „Piratenkönigin“ des 16. Jahrhunderts. Die Tochter des mächtigen Clanchefs Owen O’Malley residierte in einem dreistöckigen Festungsbau, dessen Ruine die Hauptsehenswürdigkeit der Insel ist. Die reiche, dreimal verheiratete Frau kommandierte mehrere hundert Männer unter Waffen. Grace soll in Clare Abbey begraben sein.
Im 19. Jahrhundert zählte die knapp sechs Kilometer lange Insel mehr als 1.600 Einwohner, bis eine Kartoffelseuche zur Hungersnot in ganz Irland führte und die meisten Insulaner ihr Fortkommen jenseits des Atlantiks suchten. Heute leben die gut 150 Insulaner vornehmlich vom Tourismus und der Landwirtschaft.
Sherkin Island
Läge Sherkin im Mittelmeer, wäre es wegen seiner weißsandigen Strände längst zugepflastert mit Riesenhotels. So aber blieb das Eiland ein beschaulicher Flecken vor der Küste von Baltimore, Co. Cork. Die Fährfahrt dauert nur zehn Minuten.
Die Hauptattraktionen von Sherkin sind die von Efeu überwucherte Burg des Driscoll Clans, Dún na Long, die Ruine eines um 1460 erbauten Klosters, und die Marine Station, zu der auch ein kleines Naturkundemuseum mit Aquarium gehört. Wie das benachbarte Cape Clear ist auch Sherkin ein Teil der Grafschaft Cork.
Der Höhepunkt des Inseljahres ist der dritte Sonntag im August, wenn die Boote zur traditionellen Sherkin-Regatta starten. Aber auch zu anderen Zeiten ist das Meer rings um die Insel ein beliebtes Wassersportrevier. Es steht unter anderem eine Segelschule zur Verfügung.
Die einstigen Bewohner, Fischer und Kleinfarmer, sind fast völlig verschwunden. In den letzten Jahren haben die Iren die Insel als Ferienort entdeckt. Sie erwarben viele der aufgelassenen Höfe und Fischerhütten und nutzten sie als Sommerhäuser.
Tory Island
Wenn die Winterstürme über Donegal hinwegfegen, können die etwa 120 Bewohner von Tory Island bisweilen tagelang nicht zum Hauptland übersetzen. Im Winter 1974 war es besonders schlimm: damals waren die Bewohner sogar acht Wochen isoliert. Dabei liegt die kleine Insel, die nördlichste unter den bewohnten, nur 13 Kilometer vor Irlands Küstenlinie. Aber dort ist sie dem meist starken Wind ziemlich schutzlos ausgesetzt.
Doch dieses scheinbar unwirtliche Eiland war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. In der Legende haben auf Tory einst Piraten gelebt, die von Balor of the Evil Eye geführt wurden. Im 6. Jahrhundert hat der in Irland beliebte Heilige Columbcille auf Tory ein Kloster gegründet. Von ihm bestehen nur noch der Rundturm und ein Kreuz.
Die in der Gaeltacht, dem keltischen Sprachgebiet Irlands, liegende Insel pflegt auch heute noch die alte Sprache und die Sitten. Deshalb ist die irische Folk Music auf Tory allgegenwärtig; im Alltag wird Keltisch gesprochen. Bekannt sind auch die naiven Bilder einiger Insulaner, eine Kunst, die auf den Maler Derek Hill zurückgeht: Er unterrichtete während seiner regelmäßigen Sommerferien auf Tory alle Einwohner.
Aran Islands
Die bekannteste Inselgruppe des Landes liegt vor Galway. Inishmore, Inishmaan und Inisheer sind charakterisiert durch historische Ruinen und durch das Muster der Steinmauern, mit denen die karge Erdschicht vor dem Wind geschützt wird.
Achill Island
Der westlichste Fleck Europas birgt Berge, die bis zu 661 Meter hoch sind. Die vom Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll sehr geschätzte Insel in der Grafschaft Mayo veranstaltet jährlich ein Musikfestival.
Inishmurray
Das flache Eiland bei Sligo trug seit anno 520 eine Klostersiedlung, seit 1948 ist sie unbesiedelt. Im Krieg hat ein britischer Zerstörer einen Torpedo auf die Insel abgefeuert, weil sie aussah wie ein deutsches U-Boot.
Ireland’s Eye
Die kleine unbewohnte Insel vor Dublin ist nur eine 15-minütige Bootsfahrt entfernt und für die Hauptstädter ein beliebtes Ausflugsziel. Markant ist der Martello Tower, der einst Dublin vor vom Meer kommenden Angreifern schützen sollte.
The Saltees
Die zwei Inseln, Great und Little Saltee, liegen vor der Grafschaft Wexford im Südosten Irlands. Sie haben eine bewegte Geschichte – von Mönchen bis zu Schmugglern und Piraten – und sind heute ein Vogelreservat.
The Skelligs
Die schroffen Felsen weit draußen im Meer vor der Grafschaft Kerry waren einst das Heim von Mönchen, deren schlichte Steinhütten erhalten blieben. Das für Seeleute gefährliche Revier sichert seit 1826 ein Leuchtturm.

