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Geschichte und Millionäre im Golf von Tigullio
Deutschland war am Boden zerstört, hatte es doch den Ersten Weltkrieg verloren und war es im Versailler Vertrag dazu verdonnert worden, innerhalb von 30 Jahren die den Siegern entstandenen Kriegsschäden zu ersetzen. Da kam ein wenig Hoffnung auf mit dem "Geist von Rapallo", der entstand, als Deutschland und Russland am Rande der Weltwirtschaftskonferenz in Genua im benachbarten Rapallo einen Vertrag schlossen. Am 16. April 1922 nahmen darin Russland und das Deutsche Reich diplomatische Beziehungen auf, verzichteten gegenseitig auf den Ersatz von Kriegskosten und vereinbarten Meistbegünstigung in den Handelsbeziehungen.
Noch heute hängt eine Ausfertigung des Vertrages mit der Unterschrift des deutschen Außenministers Walther Rathenau in der "sala del trattato" im Hotel Imperiale in Rapallo. Fotos in dem schönen Kuppelsaal zeigen unter anderem den Revolutionär Wladimir Iljitsch Lenin. Vom Grand Hotel aus zu sehen und über eine kleine Brücke erreichbar ist auch das - natürlich rote - Haus, in dem damals die russische Delegation nächtigte.
Aber auch ohne den "Geist von Rapallo" hätte der Name dieses Ortes einen guten Klang in deutschen Ohren. Denn Rapallo liegt wunderschön am Golf von Tigullio und hat den Touristen manches zu bieten. Reitschule, Scheibenschiessplatz und ein 18-Loch-Golfplatz in Sichtweite des gotischen Klosters Valle Christi laden zum Aktivurlaub ein. Zu besichtigen gibt es das "Schloss auf dem Meer", eine Festung, die 1551 erbaut wurde, nachdem Rapallo von dem grausamen Seeräuber Dragut überfallen und großteils zerstört worden war.
Eine reiche Innenausstattung weist die Kirche der Heiligen Gervasio und Protasio auf. Weitere besichtigenswerte religiöse Gebäude sind die Oratorien der Schwarzkutten, bzw. der Weißkutten sowie die Kirche San Francesco aus dem sechsten Jahrhundert. Herrlich bummeln kann man auf der halbkreisförmigen Promenade "Passegiata lungo mare", von der aus die Jugendstilvillen zwischen Palmen bewundert werden können. Auf der Haupteinkaufsstrasse, der Via Mazzini, sollte man die im 16. Jahrhundert gefertigten Schieferportale beachten.
Beim Schlendern durch die City wird dem Betrachter auffallen, dass viele Hausfassaden bemalt sind. Die Malerei täuscht nicht vorhandene Stuckarbeiten vor und soll nach alter Tradition - irgendwie paradox - zeigen, wie reich man ist. Ein herrlicher Ausblick auf den Golf eröffnet sich dem Besucher von der Wallfahrtskirche Montallegro aus. Aber nicht nur für die Aussicht sind die Berge im Hinterland von Nutzen. Im Winter halten sie die kalte Luft und die Wolken aus dem Norden ab, so dass Rapallo stets angenehme Temperaturen zu bieten hat.
Die verschiedenen Häfen im Golf von Tigullio bieten Ankerplätze für bis zu 3.000 Boote von zwölf Metern Länge. Allein Rapallo hat über 400 Ankerplätze. Wer hier Urlaub macht, kann also mit Auto, Zug oder der eigenen Yacht anreisen. Ansehen sollte man sich auch die anderen Dörfer am Golf.
Da ist etwa die Touristenhochburg Santa Margherita Ligure mit ihrer Sommerresidenz der Centurione, eine barocke Protzvilla mit wunderbaren Gartenanlagen. Eine Überraschung für Taucher hält der Ort mit seinen schönen Sandstränden unter Wasser bereit. In l7 Metern Tiefe steht die Bronzefigur Christo degli Abisi. Von der Natur perfekt inszeniert ist die kleine Landzunge auf der die gemütliche Altstadt von Sestri Levante liegt. Das Meer liegt hier steuer- und backbord gleichzeitig. Von besonderer Ausstrahlung ist dabei die Baia del Silenzio, die gleich an die Bebauung angrenzende Bucht der Stille, in der vor einem schönen Sandstrand gemütlich die Ruderboote der Einheimischen dümpeln.
Der Besuch von Portofino am Golf von Tigullio ist ein Muss: "Die Yacht, sie gleitet unweit der Felsen und hier, man entdeckt ganz plötzlich eine versteckte Bucht, einen kleinen Ort. Portofino, es schlingt sich wie eine Mondsichel um dieses ruhige Becken, umgeben von einem Wald von starkem frischen Grün... Niemals vielleicht hab ich Eindrücke empfunden, die sich mit denen vergleichen lassen, die ich beim Eintritt in diese kleine Bucht erlebt habe." So ist es nicht nur dem Novellen-Schreiber Guy de Maupassant l889 ergangen. Zahlreiche Stars aus Hollywood und dem internationalem Jet-Set sind dem Charme dieses kleinen Fischerortes erlegen. Reifen-König Pirelli und der Medienzar und Politiker Silvio Berlusconi haben hier ihre Urlaubsvillen. Und Immobilien sind hier teuer: Wer unten im Fischerort in einem der direkt am Wasser gelegenen Häuser Eigentum erwerben möchte kann einfach rechnen - pro Fenster eine Million Euro.
Der malerische Ort Portofino sollte von Rapallo oder Santa Margherita Ligure aus mit dem Linienboot angesteuert werden. Das ist nicht nur schöner sondern in Stoßzeiten auch erfolgreicher. Denn Autos werden immer nur dann hereingelassen, wenn jemand den Ort verlässt. Parkplätze gibt es kaum und das einzige Parkhaus ist auch nicht gerade günstig: Fünf Euro pro Stunde.
San Remo - Stadt der Blumen
San Remo ist wohl die bekannteste und beliebteste Urlaubsstadt der Riviera dei Fiori. Hier sorgt die Sonne noch im November für angenehm milde Temperaturen, und schon im März lädt sie die ersten Besucher wieder an die Strände der Gegend ein. Es scheint als habe die "Dea Matuta" die Göttin des Meeres und der Morgenröte, eine Schwäche für den Golf von San Remo gehabt und ihn mit diesem Klima gesegnet. Zum Dank trug die Stadt in der Antike den Namen "Matuzia". San Remo ist ohne Blumen undenkbar: an kaum einem anderen Ort findet man so viele prächtige Parks und Terrassen wie hier. Nicht so schön sind allerdings die großen Gewächshäuser, die das Hinterland verschandeln und in deren Glasflächen sich die Sonne reflektiert und manchen Autofahrer empfindlich blendet.
San Remos berühmtes Casino, in Art-Nouveau-Architektur erbaut, wurde im Jahr 1905 fertig gestellt. Es beherbergt nicht nur Spielsäle und Konferenzräume, sondern auch ein Theater, in dem alljährlich das italienische "Festival della Canzone" ausgetragen wird. Über den Stadthügel hinauf erstreckt sich die Altstadt La Pigna: in dem mittelalterlichen Stadtteil steht neben geschichtsträchtigen Palästen die Wallfahrtskirche Madonna della Costa aus dem 17. Jahrhundert mit einem Gemälde von Domenico Fiasella und Holzstatuen von Anton Maria Maragliano. Vom gleichen Meister aus Genua stammt auch das Holzkruzifix in der schönen Kathedrale San Siro aus dem 13.Jahrhundert. In La Pigna ist außerdem die Villa Nobel zu bewundern, in der einst der berühmte schwedische Wissenschaftler wohnte und die nun als Kulturzentrum genutzt wird.
Für Sportbegeisterte ist San Remo mit seinen bekannten Veranstaltungen immer wieder ein Anziehungspunkt: Im März ist der Ort das Ziel des klassischen Radrennens Mailand - San Remo. Im April bietet es die Oster-Segelregatta und ein Oldtimer-Rennen. Die Attraktion im Oktober ist die Markenweltmeisterschafts-Rallye. Im November schließlich lockt die Regatta der Wintermeisterschaft West Liguria.
Genua - stolze Stadt mit vielen Gesichtern
Genua, die Hauptstadt der Region Ligurien liegt versteckt hinter hässlichen Vororten, die sich kilometerweit erstrecken. Doch wenn man sich von ihnen nicht abschrecken lässt, erwartet den Besucher ein vielseitiger Ort mit einer lebendigen Atmosphäre und einer einzigartigen Lage am Meer an den steil ansteigenden Hängen des Ligurischen Apennins. Genua wird von seinen Besuchern entweder geliebt oder gehasst, auf keinen Fall kann man dieser Stadt gegenüber gleichgültig bleiben.
Der Hafen Genuas stand schon immer für den Handelsverkehr mit den anderen Ländern des Mittelmeers offen und konnte sich auf diese Weise die fremden Gewohnheiten und Wörter aneignen. Diese Stadt der Händler und Bankiers gilt heute einstimmig als die englischste Italiens. Genua verläuft vertikal und im historischen Zentrum herrscht ein Gewirr von engen Straßen. Wenn man auf das kleine Stück blauen Himmel hinaufblickt, der zwischen den Dächern der hohen Häuser erscheint, bekommt man fast ein Schwindelgefühl. Hier stehen herrschaftliche Gebäude dicht neben bescheidenen kleinen Wohnhäusern, und von einem Fenster zum anderen ist der Abstand manchmal geringer als ein Meter.
Genua, mit rund 680.000 Einwohnern ist im kulturellen Bereich sehr engagiert und unternimmt große Anstrengungen für ihre wichtigen Institutionen wie die Universität, die Oper, das Theater, die Musikhochschule und die Kunstakademie. Im Jahre 2004 durfte es sich mit dem Titel der europäischen Hauptstadt der Kultur schmücken.
Eine Vielzahl künstlerischer Zeugnisse der gotischen Jahrhunderte, der Renaissance und schließlich des Barocks schmücken die Stadt: Kirchen und Paläste, Gemälde und Standbilder.
Nur wenige Schritte vom Alten Hafen entfernt befindet sich eine der größten Marienwallfahrtsstätten - die antike Piazza "delle Vigne".
Zwischen den hochstrebenden Häuserfronten der mittelalterlichen Altstadt erheben sich plötzlich auf einem kleinen Platz die schönen reichgeschmückten und geräumigen Kirchen von Genua mit ihren strengen Fassaden mit den schwarz- weißen Marmorstreifen oder mit den überladenen Barockfassaden. An den zahlreichen Adelshäusern des alten Zentrums kann man heute noch die kühnen Architekturen, Reste herrlicher Wandmalereien an den Fassaden und die mächtigen Eingangsportale bewundern. Die Via Garibaldi, in der im 17. Jahrhundert viele große Familien ihren prächtigen Wohnsitz errichten ließen, ist für ihren besonderen städtebaulichen Charakter, die Anzahl der prächtigen Häuser, ihre Schönheit und Reichtum weltweit einzigartig. Die Via XX Settembre mit den modernen Arkaden ist eine elegante Einkaufsstraße und ein bedeutendes Geschäftszentrum. Der Corso Italia dagegen ist die große Meeresuferpromenade.
Anlässlich der Kolumbus-Veranstaltung von 1992 wurde in Genua mit der Neugestaltung des Hafens ein neuer Attraktionspunkt geschaffen: Das größte und modernste Aquarium Europas, das heute zahlreiche Touristen aus aller Welt anlockt. Von hier aus hat der Besucher einen außergewöhnlichen Blick auf die Stadt, die sich vom Meer aus bis hin zu den Stadtvierteln im Osten und Westen ausbreitet.
Genua zeichnet sich abends durch ein breit gefächertes Unterhaltungsangebot aus, zu dem die Oper, das Symphonieorchester, das Theater und das Varieté in hochmodernen Veranstaltungsräumen wie dem Carlo Felice-Theater, den beiden Bühnen des Teatro di Genova, dem Politeama Genovese, dem Tosse-Theater und dem Archivolto-Theater zählen. In der Altstadt dagegen - mit ihren etwa 1,5 Quadratkilometern übrigens eine der größten in Europa – gibt es häufig Initiativen, Kunst und Gastronomie zu kombinieren. Dazu hört man Jazz und Kabarett sowie Musik in Insiderkneipen.

