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St. Petersburg: Von einer Waldschneise zur Flaniermeile

Was als Schneise durch Wald und Sumpf begann, sollte sich zur luxuriösesten Flaniermeile Europas entwickeln: der Newski-Prospekt.

 

Der „Newski“, ursprünglich als Verbindung zur Handelsstraße nach Nowgorod konzipiert, das St. Petersburg mit Waren versorgte, wurde schnell zur Hauptstraße der neuen Metropole. Bedingt durch die Nähe zum Winter- und Sommerpalast des Zaren, wurde das Viertel bald zur ersten Adresse. An der Straße bauten die Adeligen ihre Paläste und Stadtvillen. Die verschiedenen Konfessionen erhielten großzügig Land und bauten ihre Kirchen. Kaufleute aus ganz Europa siedelten sich am Newski an, eröffneten ihre Geschäfte und Kaufhäuser.

 

Bis zum ersten Weltkrieg war der Boulevard der Inbegriff des Luxus. Es gab eine ungeheure Zahl eleganter Geschäfte. Militär in Galauniform, Damen in Samt und Seide flanierten an den Auslagen vorbei. Es wurden nur ausländische Waren verkauft die um ein Vielfaches teurer - und somit für den Normalbürger unerschwinglich waren. Parallelen zu heute sind nicht von der Hand zu weisen.

 

Die 4,5 km lange Prachtstraße ist auch heute wieder Einkaufsstraße und Treffpunkt der Petersburger. Langsam kehrt der Luxus wieder an den Newski zurück. In den Häusern eröffnen Juweliergeschäfte, Boutiquen, Restaurants und Clubs. An den Hausfassaden hängen Reklametafeln, für westliche Produkte werbend. Zur Hauptverkehrszeit brodelt der Verkehr, Menschen warten auf Busse, verschwinden in den Schächten des weit verzweigten U-Bahn-Netzes. Blumenverkäuferinnen und Straßenmusikanten verdienen sich ein Zubrot zu der oft kargen Rente.

 

Aber nur wenige Schritte abseits der klassizistischen Arkaden, beginnt das Petersburg der kleinen Leute. Hier blättert der Lack, bröckelt der Putz, der Regen sammelt sich in Pfützen auf den holprigen Gehsteigen. Mit der Machtübernahme der Kommunisten, wurden den Besitzer und Mieter der herrschaftlichen Häuser mit ihren Jugendstilfassaden vertrieben. Ursprünglich erbaut für ein aufstrebendes Bürgertum von Kaufleuten und Beamten, zog jetzt das siegreiche Proletariat in die Etagen.

 

Es entstanden die Komunalkas. Ganze Familien müssen mit einem Zimmer, oft nur wenige Quadratmeter groß, auskommen. Hier spielt sich auf engstem Raum das alltägliche Leben ab. Küche und Bad müssen sich die Familien, oft über 20 Personen, teilen. Ständiger Streit um Bad- und Küchenbenutzung ist dadurch vorprogrammiert. Der Blick aus dem Fenster geht in triste Hinterhöfe und dunkle Gassen. Aber man ist froh, überhaupt eine Bleibe zu haben, denn Wohnraum ist in der Stadt knapp. Zudem mangelt es überall an Geld, auch für die dringendsten Reparaturen.

 

So trifft man überall in der Stadt auf leere Fensterhöhlen, undichte Dächer. Alles was irgendwie verwertbar war, wurde abtransportiert. Auf der einen Seite die Glitzerwelt auf dem Newski, auf der anderen das Elend der kleinen Leute. Wie schon in der Zarenzeit, liegen Prunk und Armut dicht beieinander.

St. Petersburg - Peter und Paul Festung

Die Stadtgründung begann mit dem Bau der Festung Peter und Paul. Am 16. Mai 1703 (nach dem alten, 27. Mai 1703 nach dem neuen Kalender) begannen Zehntausende von Leibeigenen auf der Haseninsel Wälle aufzuschütten. Der neugewonnene Zugang zur Ostsee und die am Reißbrett geplante Stadt mussten beschützt werden. Aus dem ganzen Land wurden die Leibeigen nach St. Petersburg geschafft, um auf Befehl des Zaren, die Pläne Wirklichkeit werden zu lassen.

 

Obwohl die Festung militärisch nie zum Einsatz kam, forderte der Bau so viele Menschenleben wie ein Krieg. Mehr als 100.000 Arbeiter mussten durch Hunger, Erschöpfung, Seuchen und die Kälte des Winters ihr Leben lassen.

 

Nun hatte der Zar seine Festung, und was kann man Besseres daraus machen, als ein Gefängnis. Einer der ersten Gefangenen, die hier eingesperrt wurden, war Zar Peters Sohn Alexander. Hier verschwanden die Gegner des Zarenregimes, warteten Todeskandidaten wie z. B. Lenins Bruder, auf ihre Hinrichtung. Auch Dostojewski hatte einige Zeit in einer der Zellen verbracht, bevor er nach Sibirien verschleppt wurde.

 

Etwas seltsam ist das Verhältnis der Zaren zu der Festung. Obwohl ein Gefängnis, liegen hier die meisten der Zaren begraben. Es ist, als ob sie sich selbst als Leichnam nur in der Festung sicher fühlten. Ihre Gräber sind in der Peter und Paul Kathedrale zu sehen. Die Kirche war das erste Gebäude aus Stein und ist heute noch das höchste Gebäude der Stadt. Auf der Kirchturmspitze, ganz ungewöhnlich für eine orthodoxe Kirche kein Zwiebelturm, steht eines der berühmtesten Symbole der Stadt: der Engel mit dem Kreuz.

 

Heute dient die Festung ausschließlich friedlichen Zwecken. An schönen Tagen, ziehen die Petersburger zur Insel. Am schmalen Strand, an der Mauer angelehnt, genießen sie die Strahlen der noch schwachen Frühlingssonne.

 

Öffnungszeiten: 11.00 – 17.00 Uhr; Di. 11.00 – 16.00 Uhr; Mi. und letzter Di. des Monats geschlossen.

 

St. Petersburg: Der Peterhof – Versailles am Ostseestrand

Die Raketa, das Schnellboot, rast mit Höchstgeschwindigkeit Richtung Ostsee. Der Peterhof ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Petersburger. Die extrem luxuriöse Anlage ist eine Ansammlung von Schlössern, Parks, und Wasserspielen. Peter der Große hat die Schlossanlage seinem Vorbild Versailles nachbilden lassen. Sie ist zwar etwas kleiner geraten als Versailles, liegt aber wunderschön am Ostseestrand.

 

Die Hauptattraktion ist zweifellos die Große Kaskade. Als Hintergrund dient der 275 m lange Große Palast und der Obere Garten, ganz im Barockstil gehalten. Fontänen und Springbrunnen, vergoldetet Figuren und Statuetten fügen sich zu einem einzigartigen Wasserspiel zusammen. Wenn die Springbrunnen aufgedreht werden, beginnt offiziell der Sommer. Tausende ziehen dann zum Volksfest an die Ostsee.

 

In historischen Kostümen flaniert man ums Schloss, auf den Wegen des großen Parks und entlang des Kanals, der zum Meer führt. Gardeuniformen für die Herren, Reifröcke und hochaufgetürmte Perücken für die Damen sind die passende Kleidung.

 

Während des Krieges wurde der Peterhof von den deutschen Truppen völlig zerstört. Seit 1958 erstrahlen die Säle wieder im alten Glanz. Spiegel lassen die Säle noch großer erscheinen und Goldstuck rahmt die Deckengemälde ein.

Wie in einer Zeitmaschine fühlt man sich in die Zarenzeit versetzt. Besonders intensiv ist das Erleben im Palast Nikolaus I. Die Wohnräume sind so sorgfältig und authentisch restauriert, dass man meinen könnte, der Zar käme gleich zur Tür herein.

 

Öffnungszeiten: 10.30 – 17.00 Uhr; montags und am letzten Dienstag des Monats geschlossen.